Am vergangenen Montag hat uns die traurige Nachricht erreicht, dass unsere langjährige Kollegin und von unseren Schüler*innen hoch geschätzte Lehrerin Mag. Karin Schauer nach einer über das Wochenende eingetretenen akuten Verschlechterung ihres Gesundheitszustands verstorben ist.
Auf wenige wird der an dieser Stelle oft genannte Zusatz „nach langem, mit Geduld ertragenen Leiden“ besser zutreffen als auf Prof. Schauer. Über Jahre hat sie mit großer Willenskraft gegen sich immer wieder aufbäumende Krankheiten gekämpft und dabei so manchen Pyrrhussieg errungen.
Leider haben wir als Lehrer*innen und Schüler*innen in den letzten Monaten erleben müssen, wie sehr jeder dieser Kämpfe an Prof. Schauer gezehrt hat. Und trotzdem ist sie immer wieder aufgestanden. Die dafür nötige Sturheit ist eine oft negativ behaftete Eigenschaft – für Prof. Schauer war sie die wohl größte und tragende Stärke: als gewissenhafte, genaue, vor allem aber immer faire Lehrerin; als kritische, streitbare, vor allem aber engagierte Personalvertreterin und Gewerkschafterin; und schließlich vor allem als Mensch, der über einen so langen Zeitraum immer wieder zurückgeworfen wurde, nur um gleich wieder aufzustehen und weiterzukämpfen.
Ich durfte Prof. Schauer aus all diesen Perspektiven kennenlernen. Als Schüler hat sie (m)einem chaotischen Kopf einerseits Strukturen der Sprache (Latein) und des Denkens (Philosophie) gegeben, vor allem aber Freiräume gelassen – sowohl bei so mancher kreativer Übersetzung als auch im Denken über den Tellerrand hinaus. Die Einträge im in der Schulbibliothek aufliegenden Kondolenzbuch zeigen, dass auch ihre aktuellen Schüler*innen ihre Stringenz, ihr Durchhaltevermögen und vor allem ihren – Zitat: "legendären Humor" – hoch geschätzt haben.
Als Kollege habe ich diesen Humor sofort (wieder)erkannt: oft rabenschwarz, trocken und (fast) ohne eine Miene zu verziehen, jedenfalls aber immer pointiert und mit der für Prof. Schauer so typischen, auf eigenartige Art und Weise gleichzeitig monotonen und lebendigen Rhetorik vorgetragen.
Als ihr Direktor habe ich Prof. Schauer schließlich vor allem noch als Interessensvertreterin in der Personalvertretung und Gewerkschaft neu kennenlernen dürfen. Als solche braucht es – nomen est omen – vor allem zwei Dinge: Interesse und das Engagement für andere. Wie ihre Tätigkeit als Lehrerin hat sie auch das Amt der Personalvertreterin annähernd bis zum letzten Tag erfüllt.
Quer durch all diese Bereiche hat Prof. Schauer ihre positive Sturheit getragen. Zwar würde der von ihr so geschätzte Aristoteles darin keine Tugend sehen, ich bin mir aber sicher, dass sie nun Zeit und Gelegenheit haben wird, ihn eines Besseren zu belehren. Vielleicht schafft sie es mit der Aeneis von Vergil, aus der das obige Zitat stammt: Mens immota manet – der Geist bleibt unbewegt. Wie Vergils Held Aeneas trotz aller Prüfungen und Schwierigkeiten standhaft bleibt, so hat auch Prof. Schauer aus dieser Widerständigkeit bis zuletzt Kraft und Energie geschöpft.
Es war dabei wohl Prof. Schauers größter und bis zuletzt anhaltender Wunsch, nicht zum Nichtstun verurteilt zu sein, sondern so lange wie möglich in dem von ihr auf so viele Weisen geliebten Beruf verankert und damit auch dem Werndlpark und seinen Menschen verbunden zu bleiben.
Ich hoffe und glaube, dass Prof. Schauer auf diese Weise ihren εὖθάνατος – den „guten Tod“ – erreicht hat: jene Art zu gehen, die es ihr ermöglicht hat, bis zuletzt in ihrer Berufung wirken und darin Sinn und Kraft finden zu können.
Requiescat in pace!